|
gedichte // der sensenmann wird kommen .
Ganz langsam fahre ich mit der rasiermesserscharfen Klinge über deine weiche Haut.
Sie wölbt sich leicht unter dem Druck des kalten Stahls.
Du willst schreien, kannst aber nicht. Ich habe dich geknebelt, mit einem Stück deiner eigenen Kleidung.
Auch bewegen kannst du dich kaum. Habe ich dich doch gefesselt, damit du dich nicht wehren kannst.
Ich kann ganz deutlich die Angst in deinen schönen Augen sehen. Die kleinen Schweißperlen auf deiner Stirn rennen um die Wette dem Erdboden entgegen, bis sie von dir springen und auf dem Boden aufschlagen.
Ach, wie lange habe ich diesen Moment herbeigesehnt. Schon so lange warte ich darauf, meine Gelüste wahr zu machen und heute ist es soweit.
Ich fahre mit der Klinge meines Messers deine Haut vom Hals an herunter. Direkt zwischen deinen Brüsten hindurch, über deinen Bauch, wo du zusammenzuckst...ist dir die Klinge zu kalt? Es tut mir leid, da musst du durch.
Mit der Messerspitze umkreise ich deinen Bauchnabel, fahre dann weiter hinunter...ich stoppe. Kurz vor deiner heiligsten Stelle stoppe ich die Talfahrt, schaue mir deinen Körper an.
Leicht rötliche Spuren meiner Reise kann ich erkennen, als wenn du dich gekratzt hättest. Nichts weiter.
Du winselst, hast fürchterliche Angst vor mir, vor meinen Taten, vor dem, was noch kommen könnte. Denkst du wirklich, ich könne dich ernsthaft verletzen? Dir etwas antun? Zu so etwas wäre ich niemals fähig. Dafür liebe ich dich viel zu sehr.
Sanft, beinahe vorsichtig streichele ich dir über dein zartes Gesicht, berühre deinen schönen Hals, deine... nein, ich kann es nicht.
Ich stoße feste zu, mit dem Messer.
Das Blut quillt aus der Wunde, rutscht am Körper hinunter. Direkt in die Lunge habe ich gestochen, tief und fest. Es riecht schon nach Tod. Lange dauert es nicht, und er tritt ein. Der Sensenmann, und wird sein Opfer holen. Dann endlich bin ich erlöst. Erlöst von den Qualen der Liebe, denn dann kann ich dich nicht mehr lieben.
Ich sacke zusammen wie ein nasser Sack, falle zu Boden, röchele schwer nach Luft, bekomme aber keinen Sauerstoff der mich am Leben halten würde. Die Kraft schwindet dahin. Dann fallen mir die Augen zu...
© Patrick Corbin |